Bielefeld: Wir sind gegen übereilte Fahrverbote - Bessere Luft u.a. durch Verkehrsverflüssigung anstreben

Wir unterstützen in Bielefeld das Ziel, für saubere Luft in der Gesamtstadt zu sorgen. Bereits schon 2014 haben wir uns aktiv an der Erarbeitung des 1. Luftreinhalteplanes für Bielefeld beteiligt.

In der Stapenhorststraße wurden die strengen Grenzwerte von 40 μg/m³ Stickstoffdioxid (NO2)  mit einem gemessenen Wert von 41 μg/m³ nur noch minimalst überschritten.
Die verschiedensten Maßnahmen aus den Vorjahren greifen und durch die fortlaufende Erneuerung des Fahrzeugbestandes wird die Zielmarke praktisch von allein erreicht.
Einzig dagegen spricht jetzt die Einführung einer Tempo 30-Zone, denn die Abgasemissionen bei Tempo 30 sind durchschnittlich um 1/3 höher als bei Tempo 50. Hier sind ggfs. nochmals die  Fachleute gefordert, die verschiedensten Maßnahmen zur Nachjustierung der Politik vorzustellen.

Erheblich schwieriger gestaltet sich die Aufgabe rund um den Jahnplatz, da erstmals gemessene Werte vorliegen. Hier werden die Grenzwerte mit 49 μg/m³ Stickstoffdioxid (NO2) schon deutlicher überschritten. Allerdings ist der Jahnplatz ein großstädtischer Verkehrsknotenpunkt und für die Erreichbarkeit der Innenstadt von herausragender Bedeutung.
So ist unsere Bielefelder Innenstadt der wichtigste Begegnungsraum aller Bürger und Besucher der Stadt. Die Funktionsdurchmischung mit Wohnen, Leben, Arbeiten, Verwaltungen, Handel, Gastronomie, Kunst und Kultur zieht sich wie ein Spinnennetz zusammen. Daher muss die Mitte unserer Stadt auch weiterhin mit allen Verkehrsmitteln erreichbar bleiben.

Das Verkehrsgutachten Jahnplatz aus Oktober 2013 lieferte wichtige Erkenntnisse zu den Verkehrsströmen rund um den Jahnplatz. So sind zwischen 78 bis 85 % des MIV (motorisierte individual Verkehr) sogenannte Ziel- und Quellverkehre. Diese Ziel- und Quellverkehre können nicht verdrängt, sondern lediglich durch Umgehungsverkehre verlagert werden. Diese Umleitungen führen dann zu Streckenerweiterungen, Mehrverbräuchen und somit in der Summe zu noch höheren Stickstoffdioxid-Belastungen.

Lediglich bei 15 bis 22 % der Fahrzeugbewegungen handelt es sich um Durchgangsverkehre. Inwieweit sich diese eher wenigen Fahrzeugbewegungen verdrängen lassen, müsste eigens untersucht werden. Neue Fahrzeugmessungen finden derzeit statt.

Als mögliche Maßnahmen zur Verbesserung bzw. zur Einhaltung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte rund um den Jahnplatz wird die Einrichtung einer Grünen Umweltzone und/oder die Umstellung auf Elektrobusse zur Diskussion gestellt. Durch diese Maßnahmen sind Verbesserungen von -8 % bzw. -11 % errechnet worden. Selbst beide Maßnahmen zusammen scheinen nicht ausreichen zu können, um die geforderten Grenzwerte zu erreichen.

Deutschlandweite Untersuchungen belegen, dass die Geschwindigkeit von Fahrzeugen nachweislich auf die Emissionen einen deutlich höheren Einfluss haben, als der sich aus den Schadstoffklassen ergebende Unterschied. Oder besser ausgedrückt: Verkehrsverflüssigende Maßnahmen sind deutlich effizienter als Fahrverbote auf der Grundlage der Schadstoffklassen.

Daher unsere Empfehlung, mithilfe eines leistungsfähigen Verkehrsrechners eine grüne Welle zu erzeugen. Jeder Verkehrsteilnehmer kennt die täglichen Beispiele außerhalb der Rushhour, wo man gefühlt an jeder zweiten Ampel auf Grün wartet. Im diesem Bereich lassen sich erwiesenermaßen die deutlichsten Ergebnisverbesserungen erzielen.

Zusätzlich wird der Einsatz von Elektro-Bussen im Moment mit 60 % des erhöhten Anschaffungspreises gefördert. Andere Verkehrsbetriebe in NRW lassen sich daher bis zu 300 Elektro-Busse fördern. Vielleicht muss MoBiel auch hier nachlegen, denn die täglichen 900 Busbewegungen haben sicherlich auch ihren Anteil an der Grenzwertüberschreitung.

Ebenso überprüft werden sollte die Standorteignung des Messbechers am Jahnplatz direkt an der Wartespur von gut einem Dutzend verschiedener Buslinien.

„Bielefeld pro Nahverkehr“ wünscht sich eine neue Mobilitätsstrategie statt einer Umweltzone. Die ganz einfache Gleichung: Mehr Nahverkehr - weniger Autos und den Autofahrern soll es durch weniger Parkplätze sowie höhere Parkgebühren schwerer gemacht werden. Ist das wirklich ein neuer zielführender Strategieansatz?

Noch einmal: Die Erreichbarkeit der Bielefelder Innenstadt ist von herausragender Bedeutung. Ob per Bus, Bahn, Auto, Fahrrad oder zu Fuß - als wichtigster Begegnungsraum aller Bürger und Besucher muss die Innenstadt für alle Verkehrsmittel erreichbar bleiben. Der Mittelpunkt der Stadt darf nicht einseitig zur Tabuzone erklärt werden, denn das bedeutet das Ende des Einzelhandelsstandortes Innenstadt mit seinen vielen tausend Mitarbeitern. Wir halten das für schlicht undenkbar und fordern mehr Weitsicht sowie Fachverstand!

Bevor also überhastet mit Fahrverboten gedroht wird, sollten alle verschiedenen Möglichkeiten zur Verbesserung der Luftreinhaltung auf dem Prüfstand stehen. Daher haben wir gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld ein Bündel von Vorschlägen zur Vermeidung von Luftschadstoffen an die Bezirksregierung Detmold übermittelt.

Selbstverständlich stehen wir Ihnen jederzeit persönlich für Rückfragen zur Verfügung - sprechen Sie uns an!

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